UNSERE GRUNDSÄTZE

„Helfen ist wichtiger als Prüfen“ ist unser Motto seit 1979. Dazu möchten wir hier ergänzen: Heilkundliches Helfen bringt viel mehr Erfolge als alle Strafen, Sperrfristen, MPU-Auflagen und vor allem mehr als der Unsinn, verkehrsauffällige Kraftfahrer wie unerzogene kleine Kinder nacherziehen zu wollen oder in ihnen gefährliche Asoziale zu sehen. Wegen dieser Einstellung wurde die IVT-Hö® schon immer angegriffen: Das Hauptargument der Kritiker lautet, die IVT-Hö® würde den Verkehrsauffälligen einreden, krank zu sein. Dieses Argument spricht für eine völlige Unkenntnis darüber, was international in der heutigen Zeit unter Heilkunde verstanden wird: Die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) nennt sich selbst „Gesundheitskasse“. Dahinter stehen die s.g. „salutogenetischen“ Grundsätze der modernen Heilkunde. Damit ist gemeint, dass die Heilkunde als Gesundheitsschutz schon in Anspruch genommen werden sollte, lange bevor teure Krankheitsbehandlungen erforderlich sind. Bezogen auf Verkehrsauffälligkeiten geben wir Ihnen drei besonders typische Beispiele:

 

  • Frau A ist mit Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgefallen. Sie hat ihren Job verloren und arbeitet danach für weniger Geld in weiter Entfernung von ihrer Familie. Sie bekommt das nur mit großen Anstrengungen organisiert. Sie ist zwar noch völlig gesund, aber ein psychotherapeutisches Gespräch weist darauf hin, dass ihr ein Burnout drohen könnte. Da sie vorher fast punktefrei gefahren ist, liegt es nahe, aktuelle Punkte in Flensburg als Zeichen der Überlastung anzusehen und das Problem nicht in erster Linie als Führerscheinproblem zu behandeln, sondern so, dass damit schlimmere Burnout-Symptome vermieden werden. Heilkunde ist nämlich heute vor allem Krankeitsprävention und Verkehrsauffälligkeit kann darauf hinweisen, dass sie angezeigt ist.

 

  • Bei Herrn B wurden 1,7 Promille BAK (Blutalkohol) gemessen. Alkohol war früher für ihn immer ein Genussmittel. Diesmal konnte er aber Trinken und Fahren nicht trennen, da er wegen seiner Scheidung emotional belastet war. Dass er vor dem Fahren über das Trinken die Kontrolle verloren hat, erweist sich beim psychotherapeutischen Gespräch als Warnsignal dafür, dass ihm vielleicht eine Depression (eine seelische Erkrankung) drohen könnte, denn diesmal hat er nicht zum Genuss getrunken, sondern um zu vergessen, wie schlecht es ihm geht. An ein solches Problem sollte man mit heilkundlicher Absicht herangehen. Seine seelische Gesundheit ist sicher noch stärker gefährdet, wenn er nach dem Verlust der Frau und den Kindern auch noch seine Fahrerlaubnis lange entbehren muss.

 

  • Der junge Herr C ist nach Haschischkonsum gefahren. Auch er fühlt sich kerngesund. Im psychotherapeutischen Gespräch berichtet er darüber, wie stark er durch Erwartungen seiner Eltern, die vergebliche Jobsuche und durch Ehe- und Kinderwunsch seiner Freundin unter Druck steht. Haschisch (THC) ist die „Null-Bock und Scheissegal Droge“. Zum Haschischkonsum vor der Fahrt ließ er sich durch den Gruppendruck der Freunde verleiten. Aber das psychotherapeutische Gespräch weist auf die Gefahr hin, dass er vielleicht immer mehr Drogen zur Entspannung brauchen wird.

 

Oft reichen wenige Stunden psychotherapeutischer Hilfe aus, Drogenabhängigkeit zu verhindern, wenn sie schon dann gegeben werden, wenn noch kein spürbarer gesundheitlicher Schaden vorliegt. Jeder, der um die Gefährlichkeit von Drogen weiß, müsste doch eine verständnisvolle heilkundliche Prophylaxe (Vorsorge) den üblichen Bestrafungen und MPU-Schulungen vorziehen.

Bezüglich ihrer Denkweise hat die IVT-Hö® auch gute Verbündete in der Verkehrspsychologie: Die Präambel (Grundsatzerklärung) der EURAC, Luxemburg, zeigt, dass diese moderne europäische verkehrspsychologische Institution die gleichen Ansichten vertritt wie die IVT-Hö®:

Im Mobilitäts- und Verkehrssystem kann die psychopathologische Problematik der Patienten zutage treten. Ziel einer heilkundlichen Verkehrstherapie ist die Prävention, Reduktion oder Beseitigung der krankheitswerten Störung, als deren Gefahrenzeichen/Symptome unter anderen die Verkehrsauffälligkeiten verstanden werden können. Notwendige Voraussetzung jeder heilkundlichen Verkehrstherapie ist die intrinsische Motivation oder eine entsprechende Motivierbarkeit durch ihre spezifischen Methoden. Die Wiederherstellung der Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr oder die Kompatibilität mit formalisierten Eignungs- und Beurteilungskriterien ist nicht das Ziel sondern nur Teil der Folgen einer erfolgreichen heilkundlichen Verkehrstherapie. Die Beseitigung der Probleme bereitenden Ursachen ist eine notwendige Bedingung dafür, dass Fahreignung dauerhaft wiederhergestellt sein wird. Die Legalbewährung kann eine der Konsequenzen der Gesundung sein und hat dementsprechend verkehrsrechtliche Folgen.

Abschließend unsere Einstellung zur Therapiedauer: Die Qualität einer Verkehrstherapie ist wie die jeder Psychotherapie nicht davon abhängig wie lange sie dauert, sondern nur davon, wie problemangemessen sie durchgeführt wird. Wegbereiterin der internationalen modernen Kurz-Psychotherapie ist Frau L. ACKERKNECHT (Universität Berkeley, Kalifornien). Sie hat bereits ab 1979 für die IVT-Hö® erfolgreich Psychotherapien durchgeführt. Der Gründer und derzeit weltweit bekannteste Vertreter von Kurz-Psychotherapien ist STEVE DE SHAZER. Seine Psychotherapien können nur eine Stunde dauern und gelten dennoch als hochwirksam. Auch er hat mit Klienten der IVT-Hö® gearbeitet. Dies ist auf Video dokumentiert.

ACKERKNECHT und DE SHAZER sind Lehrer und Vorbilder unserer Verkehrstherapeuten, aber wenn es angezeigt ist sind diese auch dafür kompetent und haben die Geduld, Menschen zu behandeln, die eine lange Hilfe erwarten.